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Der Amerikanische Bürgerkrieg und die Schlacht um Atlanta

Vorgeschichte und strategische Bedeutung

Mit dem Sieg in der Schlacht von Chattanooga war es den Nordstaaten im November 1863 endgültig gelungen, den Staat Tennessee zu sichern und dadurch das Tor für Operationen gegen andere konföderierte Staaten weiter im Süden zu öffnen.

Als besonders lohnenswertes operatives Ziel bot sich dabei der Eisenbahnknotenpunkt Atlanta in Georgia an, der während des Bürgerkriegs zu einer der wichtigsten Industriemetropolen des Südens aufgestiegen war. Die Einnahme dieser Stadt durch die Union würde dem Süden einen schweren Schlag zufügen und die Nordstaatler mitten ins Herzland der Konföderation, in den tiefen Süden, führen.

Darüber hinaus sah es der strategische Gesamtplan des neuen Oberbefehlshabers der Unionsarmee, Generalleutnant Ulysses S. Grant, vor, die zahlenmäßig unterlegenen Südstaaten an möglichst vielen Punkten gleichzeitig zu bedrohen. Auf diese Weise wollte Grant verhindern, dass die Südstaaten wie in den Jahren zuvor Gebrauch von ihren inneren Linien machen und ihre Armeen je nach Situation durch Truppen aus weniger bedrohten Gebieten verstärken konnten. Aus diesem Grund übergab Grant seinem engen Vertrauten William Tecumseh Sherman im Frühjahr 1864 eine schlagkräftige Armee in Nordgeorgia. Mit ihr wollte dieser die Stadt Atlanta erobern und die sie schützende konföderierte Tennessee-Armee besiegen.

 

Gelände und Infrastruktur

Das Gelände entlang der rund 100 Meilen, die Sherman und seine Unionssoldaten auf dem Weg nach Atlanta zurücklegen mussten, schien für die Verteidigung geeigneter zu sein als für den Angriff. Es war gebirgig und von mehreren Flüssen in West-Ost-Richtung durchzogen. Die drei wichtigsten dabei waren, von Norden nach Süden, der Oostanaula River, der Etowah River und der Chattahoochee River.

Für beide Seiten entscheidend war außerdem die von Nord nach Süd verlaufende Western and Atlantic Eisenbahnlinie (W&A). Sie war sowohl für Johnston als auch für Sherman eine unerlässliche Versorgungslinie und musste bei strategischen Überlegungen immer mit einkalkuliert werden. Als Versorgungs-, Rückzugs- und Vormarschlinie war die Eisenbahnlinie für beide Seiten besonders wichtig.

 

Die Stadt Atlanta

Die Stadt war 1836 als Bahnhof für die W&A-Eisenbahnlinie entstanden und hatte im Jahr 1861 9.000 Einwohner. Sie hatte während des Bürgerkrieges stark an Bedeutung gewonnen. Zum Zeitpunkt des Feldzuges wurde sie, was industrielle Bedeutung anging, nur von der Hauptstadt Richmond übertroffen.

In Atlanta traf sich die W&A-Eisenbahnlinie mit drei weiteren Eisenbahnlinien:

  • der Georgia-Eisenbahnlinie aus Osten von Augusta (Georgia) an der Grenze zu South Carolina,
  • der Atlanta & West Point-Eisenbahnlinie aus Südwesten von Montgomery in Alabama und
  • der Macon & Western-Eisenbahnlinie aus Südosten.

 

Von Rocky Face Ridge nach Kennesaw Mountain

Die ersten größeren Gefechte des Feldzuges entbrannten Anfang Mai 1864 bei Dalton in der Gegend des Rocky Face Ridge, wo Shermans Truppen auf zähen Widerstand der eingegrabenen Konföderierten trafen. Er entschloss sich, mit der Masse seiner Kräfte einen Ablenkungsangriff gegen Johnstons Linien durchzuführen, während McPhersons Tennessee-Armee die linke Flanke der Konföderierten umgehen sollte. Danach sollte McPherson Johnston weiter südostwärts bei Resaca am Oostanaula im Rücken angreifen und seine Hauptnachschublinie, die W&A-Eisenbahn, unterbrechen. McPherson traf jedoch auch hier auf starken Widerstand und Sherman eilte ihm daraufhin mit dem Rest seiner Streitmacht zur Hilfe. Drei Tage lang, vom 13. bis zum 15. Mai, versuchte er hier erneut ohne Erfolg Schwachstellen in Johnstons Front zu finden, woraufhin er wiederum die linke Flanke der Konföderierten umging und Johnston zum Rückzug nach Süden zwang. Am 18. Mai fiel Rome an Truppen der Nordstaaten. Während des Rückzugs versuchte Johnston am 19. Mai bei Cassville eine von Shermans getrennt marschierenden Armeen mit einer Übermacht anzugreifen. Sein Plan sah vor, Schofields Ohio-Armee frontal mit Polks Korps zu attackieren, während ihr John Bell Hood mit seinem Korps in die rechte Flanke fallen sollte. Hood bemerkte aber seinerseits Unionstruppen, die seine Flanke und seinen Rücken bedrohten, und brach den Angriff daher ab. Polk und Hood bezogen darauf hin zusammen mit Johnstons drittem Korps unter General Hardee bei Cassville eine Verteidigungsstellung, die sie aber kurz darauf wieder räumten.

Johnstons nächste Verteidigungslinie war einige Meilen südlicher am Allatoona Pass, in der Nähe der Stadt Cartersville. Auch diese Position erwies sich als ein starkes Hindernis für Sherman, der sie deshalb nicht angreifen wollte. Wie schon zuvor umging er stattdessen Johnstons Flanke und zwang ihn so zum Rückzug. Er konnte Johnstons Verbindungs- und Rückzugslinie aber nicht durchtrennen, da Johnston die Bewegung vorhergesehen und südwestlich davon bei New Hope Church Stellung bezogen hatte. Sherman unterschätzte hier die Stärke von Johnstons Truppen und befahl einem seiner Korps den Angriff, welcher blutig zurückgeschlagen wurde. Ein Gegenangriff der Konföderierten bei Dallas blieb aber ebenso erfolglos, und Sherman marschierte ostwärts, um Johnstons Versorgungslinie wieder zu bedrohen.

In der Folgezeit standen sich die Armeen Anfang Juni in der Gegend des Pine Mountain gegenüber und tasteten sich ab, wobei Leonidas Polk, der eines von Johnstons Korps befehligte, tödlich verwundet wurde. Erneut zwang Sherman Johnston durch seine Umgehungs- und Überlappungsmanöver zum Rückzug. Die Konföderierten bezogen daraufhin bei Kennesaw Mountain eine starke Verteidigungsstellung. Sherman witterte hier dennoch eine Chance für einen Frontalangriff, der am 27. Juni 1864 ohne Erfolg durchgeführt wurde: Die fest eingegrabenen Konföderierten wehrten alle Versuche der Nordstaatler, ihre Linien zu durchbrechen, unter hohen Verlusten für die Angreifer ab.

 

Von Marietta bis zur Schlacht von Atlanta

Johnston gelang es durch diesen Sieg, Sherman mehrere Tage in der Gegend von Marietta und Kennesaw Mountain aufzuhalten. Der Feldherr der Konföderierten musste seine Linie aber schlussendlich doch wieder räumen, da erneut die Gefahr einer Umgehung bestand. Seine neue Defensivlinie verlief entlang des Flusses Chattahoochee, nur wenige Meilen nördlich von Atlanta, aber auch diese wurde von Sherman bald umgangen, und Johnston zog sich noch einmal zurück, dieses Mal bis kurz vor Atlanta.

In der Zwischenzeit hatte man in Richmond, der konföderierten Hauptstadt, mit Befremden auf Johnstons Manöver reagiert. Zwar hatte der konföderierte Feldherr den zahlenmäßig überlegenen Sherman zwei Monate lang im Gebirge von Nordgeorgia aufgehalten und ihm einige taktische Niederlagen bereitet, doch hatte er immer mehr Gebiet aufgegeben, so dass Sherman inzwischen praktisch vor den Toren Atlantas stand. Als Johnston außerdem auf eine Anfrage von Präsident Davis nach seinen Plänen für weitere Operationen nur vage antwortete, entließ er den in seinen Augen zu defensiv agierenden General, mit dem er sich schon zuvor mehrmals gestritten hatte. Zu Johnstons Nachfolger berief er am 17. Juli den Texaner John Bell Hood, der bis dato eines der Korps der Tennessee-Armee kommandiert hatte. Von ihm erwartete sich der Präsident ein offensiveres Vorgehen gegen die Invasionsarmee.

Hood griff Shermans Truppen auch sogleich an, wurde aber am Peachtree Creek von der Cumberland-Armee unter hohen Verlusten abgewehrt. Auch ein zweiter Angriff Hoods, dieses Mal auf die Tennessee-Armee der Union am 22. Juli scheiterte. Zu den Gefallenen dieses Tages gehörte auch der Oberbefehlshaber der Tennessee-Armee, General McPherson - ein enger Freund Hoods aus West-Point-Tagen.

 

Belagerung und Fall

Nachdem Sherman von Norden und Osten Atlanta nicht hatte einnehmen können, verlegte er seinen Schwerpunkt nach Westen und bedrohte die Stadt von dort mit der Tennessee-Armee, nun unter Generalmajor Oliver Otis Howard. Hood begegnete dieser Bewegung mit einem Gegenangriff bei Ezra Church am 28. Juli. Der Angriff scheiterte, konnte aber verhindern, dass Howard Hoods letzte Versorgungslinie durchtrennen konnte. Auch ein erneuter Angriff Shermans auf diese Linie, dieses Mal mit Schofields Ohio-Armee, scheiterte.

Sherman entschloss sich nun, die Stadt zu belagern, grub sich vor Atlanta ein und begann die Stadt zu beschießen. Die nächsten Wochen war es vor allem die Kavallerie unter General Wheeler (CS) und General Kilpatrick (US), die durch ihre Raids immer wieder Kampfhandlungen entfachten und die Nachschublinien ihrer Gegner sabotierten.

Ende August 1864 unternahm Sherman einen erneuten, groß angelegten Angriff gegen Hoods letzte eisenbahngestütze Versorgungslinie. Er schickte daher das Gros seiner Streitmacht auf einen langen Marsch nach Jonesborough, südlich von Atlanta. Es gelang ihm zwar nicht, das sich ihm dort entgegenstellende konföderierte Korps General Hardees zu vernichten, aber er überrannte dessen Stellungen und nahm die Macon & Western Bahnlinie. Wie von ihm erwartet, evakuierte Hood daraufhin die Stadt, die am 2. September kapitulierte und von US-Truppen besetzt wurde. Tags darauf marschierte der Großteil von Shermans Truppen in Atlanta ein, und Sherman telegrafierte an Lincoln: Atlanta is ours and fairly won. („Atlanta ist unser, und redlich errungen.“) Sein Sieg hatte die Nordstaaten 31.687 Soldaten gekostet, die Verluste des Südens beliefen sich auf 34.979 Mann. Andere Schätzungen gehen von jeweils rund 40.000 Mann Verlusten auf beiden Seiten aus.

 

Politische und militärische Konsequenzen

Der Atlanta-Feldzug hatte weit reichende politische Konsequenzen. Der wichtige Unionssieg kam für Lincoln genau zum richtigen Zeitpunkt. Im Osten war es General Grant bis dato trotz mehrerer extrem blutiger Schlachten nicht gelungen, die konföderierte Hauptstadt Richmond einzunehmen und Lees Nord-Virginia-Armee eine entscheidende Niederlage zu bereiten, was zu einem Erstarken der oppositionellen Kriegsgegner geführt hatte. Shermans Sieg aber stärkte dem Präsidenten den Rücken und er gewann am 8. November 1864 überzeugend die Wiederwahl mit 212 von 233 Wahlmännerstimmen. Außerdem beraubte er den Süden einer seiner wichtigsten Städte und ebnete den Weg für weitere Operationen tief im Herzen des Südens, wie zum Beispiel Shermans Marsch zum Meer nach Savannah im Herbst 1864 oder, darauf aufbauend, der Carolina-Feldzug 1865.

 

Die Stadt Atlanta

Für die Stadt Atlanta selbst waren die Kämpfe und die Eroberung eine Katastrophe. Die sich zurückziehenden Südsstaatler hatten bereits alles angezündet, was militärischen Wert besaß. Dabei explodierte auch ein Munitionszug, da dieser nicht mehr die Stadt verlassen konnte und den Gegnern nicht in die Hand fallen sollte. Die Unionstruppen vollendeten die Verwüstungen, indem auch die restliche wirtschaftliche Basis der Stadt zerstört wurde und weite Teile der Bevölkerung in das Umland zwangsevakuiert wurden. Dies sollte der Sicherung des Hinterlandes dienen und Shermans Marsch zum Meer sichern. Dennoch kehrten nur einige Monate später die Bewohner zurück und obwohl zu diesem Zeitpunkt etwa 90 Prozent der Gebäude zerstört waren, bauten die Bewohner ihre Stadt schnell wieder auf, sodass die Stadt den Spitznamen Phoenix City bekam. Bereits 1868 wurde Atlanta zur Hauptstadt von Georgia ernannt.

 

Kulturelle Auswirkungen

Auch auf kultureller Ebene hatte der Fall und die Zerstörung von Atlanta große Auswirkungen. Literarisch wurde ihm durch Margaret Mitchell in Vom Winde verweht (1936) ein Denkmal gesetzt, einem der bekanntesten und meistübersetzten Bücher der Weltliteratur. Auch der filmischen Umsetzung mit Vivien Leigh und Clark Gable aus dem Jahre 1939 war ein enormer Erfolg beschieden, beide Werke prägten das romantische Bild des untergehenden Südens. Im Film ist die Belagerung und die Flucht der Bewohner von Atlanta zu sehen.

 

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